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|BücherArchitektur und Städtebau

Verbietet das Bauen!

Eine Streitschrift

Verbietet das Bauen!

Fachbuch

Autor: Daniel Fuhrhop

Verlag: Oekom Verlag

17,95 € inkl. MwSt. *

lieferbar innerhalb ca. 2-4 Werktagen
1. Auflage, 2015, 208 Seiten, gebunden

Inhalt

Das Neue hat Konjunktur, auch und gerade in der Baubranche: hier ein neuer Bürokomplex, dort eine weitere Shoppingmeile oder eine schicke Wohnanlage für Gutverdienende - ganz zu schweigen von all den Prestigeobjekten, deren Kosten regelmäßig aus dem Ruder laufen. Baubranche und Politik wollen uns weismachen, dass Neubauten entweder alternativlos oder aus energetischer Sicht unbedingt geboten sind. Dabei ist ihre wahre Ökobilanz meist alles andere als positiv, denn ihr Flächen- und Rohstoffverbrauch bis zur Fertigstellung wiegt schwer. Langsam formiert sich Widerstand und Menschen engagieren sich gegen den Abriss eines Teils ihrer Stadtgeschichte oder für die Erhaltung innerstädtischer Freiflächen wie jüngst beim Berliner Tempelhofer Feld. Daniel Fuhrhop begleitet ihren Kampf gegen die Bauwut nicht nur mit seiner Kampagne Verbietet das Bauen, sondern bietet im vorliegenden Buch eine Fülle von Ideen an, um alte Substanzen zu erhalten - zum Gewinn von Bürger, Umwelt und Wirtschaft.

Rezension

Nie wieder neu bauen?

„Verbietet das Bauen!": Mit dem Titel seines Buchs und seinem gleichnamigen, seit rund zwei Jahren bestehenden Blog provoziert Daniel Fuhrhop gleich mehrere Branchen. Schließlich scheint er sowohl der Bauwirtschaft als auch einem wesentlichen Teil der Immobilien-Vermarkter das Existenzrecht abzusprechen. Die Provokation ist offenbar Absicht, aber Fuhrhop teilt nicht einfach nur steile Thesen aus, sondern analysiert viele (Fehl-) Entwicklungen im Geschäft mit Immobilien sehr treffend. Dabei verschont er auch die „einfachen Leute" keineswegs, die Häuslebauer und Wohnungskäufer. In seinem Buch arbeitet er volkswirtschaftliche Wahrheiten in einem Land heraus, das trotz der aktuell starken Zuwanderung insgesamt an Bevölkerungsschwund krankt, zugleich aber am ungebrochenen Run auf die Ballungsräume. Der Bauboom an einer Stelle, Leerstand und Verfall an anderer sind die Folge. Fuhrhop macht eindringlich klar, dass beides mit einer gewaltigen Verschwendung von Geld und Energie, von Naturraum und Rohstoffen verbunden ist. Dazu kommen die sozialen und kulturellen Folgen, verödende Landgemeinden oder gentrifizierte Stadtquartiere beispielsweise.
Die oft schmerzhaft klare, mit statistischen Daten unterfütterte Darstellung erdet der Autor immer wieder mit Belegen aus der Realität, die er als aufmerksamer Beobachter der Immobilienwirtschaft gesammelt hat. So stellt er in vielen Städten den hohen Leerstand den geplanten Flächen für neue Büro- und Wohngebäude entgegen, dokumentiert den Gentrifizierungs-Schlagabtausch in Berlin oder rechnet detailliert durch, wie viel günstiger eine maßvolle Wohnungsmodernisierung gegenüber Abbruch und Neubau ist. Ebenso gut belegt stellt das Buch seinen provokanten Thesen pragmatische Lösungsvorschläge gegenüber: Planer und Bauunternehmer sollen Ideen für Um- statt für Neubau entwickeln, Bewohner sich mit weniger Platz bescheiden, Kommunen die Sanierung fördern und die Politik insgesamt den Neubau gegenüber Bestandserhaltung unattraktiver machen.
Das widerspricht vielen Gesetzen, nach denen Immobilienwirtschaft und Baupolitik seit Jahrzehnten funktionieren. Deshalb müssen betriebswirtschaftlich denkende und auf den eigenen Profit ausgerichtete Unternehmer keineswegs den vor allem volkswirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Argumenten Fuhrhops folgen. Dennoch bietet das Buch einige interessante Anstöße, um das Branchenhandeln einmal grundsätzlich infrage zu stellen. Und trotz aller Radikalität, auf die der Autor pocht: Vielleicht findet sich unter den 50 Forderungen, die am Schluss die Botschaft zusammenfassen, der eine oder andere Punkt, an dem man zumindest versuchsweise einmal ansetzen kann.


Volker Thies, Immobilien Zeitung

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