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|BücherArchitektur und Städtebau

Architektur im Zoo

Theorie und Geschichte einer Bautypologie

Architektur im Zoo

Fachbuch

Autor: Natascha Meuser

Verlag: DOM Publishers

98,00 € inkl. MwSt. *

lieferbar innerhalb ca. 2-4 Werktagen
1. Auflage, 2017, 448 Seiten, gebunden

Inhalt

Mit dem vorliegenden Grundlagenwerk wird die Architektur der Zoologischen Gärten erstmals bautypologisch systematisiert. Anhand von fünf Generationen von Zoobauten zeigt die Autorin auf, dass in der Architektur seit dem ersten wissenschaftlich geführten Zoo stets auch gesellschaftliche Wertvorstellungen im Zusammenleben von Mensch und Tier ablesbar geblieben sind. Neben der Dokumentation von 30 stilbildenden historischen Zoobauten werden 32 internationale Zoogebäude, die in den vergangenen 20 Jahren realisiert wurden, einer detaillierten Analyse unterzogen. Maßstäbliche Grundrisse, Ansichten und Schnitte sowie großformatige Fotos vermitteln Einblicke in bislang nicht vorhandener inhaltlicher Tiefe. Darüber hinaus werden zehn Entwurfsparameter formuliert, die für die Planung eines Zoogebäudes als Leitfaden dienen können.

Rezension

Architektur im Zoo

Wohnen in anspruchsvoll gestalteten Gebäuden mit gepflegter Außenanlage, ruhig und doch zentral in der Großstadt, dazu lebenslang mietfrei und täglich frische Verpflegung inklusive - wer wollte das nicht? Leider bauen die Architekten die Immobilien, um die es hier geht, nicht für uns. Die Nutzer ihrer Gebäude haben meist nicht zwei Beine, sondern vier, und sie sind keine Mieter, sondern Gefangene. Es sind Gehege für Zootiere - ausbruchsichere Bühnen, auf denen sich Tiere aus aller Welt ihren zahlenden Gästen präsentieren und dabei möglichst wohlfühlen sollen.


"Architektur im Zoo" stellt diese Form der Tierhaltung in Gefangenschaft nicht grundsätzlich in Frage. Das gut 400 Seiten dicke, liebevoll und reich bebilderte Buch hat sich allein der Geschichte und der Typologie von Zoobauten verschrieben. Wer das als ein Randthema für Liebhaber abtut, werfe einmal einen Blick durch die betriebswirtschaftliche Brille: Tiergehege sind Kulturbauten, die mit Museen und Musicalbühnen um die Freizeit der Steuerzahler buhlen und diesen Wettbewerb meist mühelos für sich entscheiden. So gehen z.B. in Deutschland jedes Jahr etwa 40 Mal mehr Menschen in den Zoo als ins Museum, und sogar der schärfste Konkurrent, die Kinobranche, muss sich im Vergleich der Besucher je Betriebsstätte pro Jahr mit Platz zwei hinter den Tiergärten zufriedengeben. Dennoch, wundert sich die Autorin Natascha Meuser, widmet sich die architektonische Debatte und die Fachliteratur immer noch viel lieber den wohl prestigeträchtigeren Museumsbauten, Theatern oder Bibliotheken als dem Bauen für Tiere.


Der hochwertig gestaltete und mehrere Kilo schwere Prachtband holt diesen Rückstand ein gutes Stück auf. Der Fokus der Beispiele liegt auf Deutschland und Europa, es werden aber auch drei experimentelle Konzepte aus Nordamerika beleuchtet. Thematisch konzentriert es sich auf die drei Säugetiergruppen Elefanten, Primaten und Großkatzen; Aquarien und Volieren finden kaum statt. Der historische Rückblick - er reicht vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre - zeigt auf teilweise amüsante Art, wie die einschlägigen architektonischen Moden der verschiedenen Jahrzehnte oft eins zu eins in die Tierhaltung übertragen wurden. So ginge das Magdeburger Dickhäuterhaus von 1967 problemlos auch als Stadthalle oder Feuerwehrzentrale durch. Das 1873 fertiggestellte Elefantenhaus im Zoo Berlin wiederum ließe sich heutigen Betrachtern mühelos als orientalischer Sakralbau verkaufen. Und im futuristischen Rotterdamer Raubtierhaus von 1940 hätte man problemlos die Fortsetzung des Stummfilmklassikers Metropolis filmen können - mit wilden Tieren wollte die Optik der Stahlbeton-Industriearchitektur ganz offensichtlich nichts zu tun haben.


Auf solche Beispiele für "Tier-Präsentierteller" oder reine architektonische Selbstverwirklichung verzichtet die zweite Hälfte des Buches, die sich zeitgenössischen Zoobauten (darunter in München, Leipzig, Krefeld und Wuppertal) widmet. Hier steht die möglichst tiergerechte Gestaltung der baulichen und Freilandanlagen und die möglichst naturnahe Erlebbarkeit der Tiere für den Besucher im Vordergrund. Informative, sprachlich angenehm barrierefrei formulierte Textpassagen beleuchten das Verhalten der Tiere im Herdenverbund und bei der Futtersuche, denen sich moderne Tiergehege so gut wie möglich anpassen. Auch an Informationen zu dem technischen Herausforderungen an die Beleuchtung, Belüftung und die Gestaltung des Untergrunds der Gehege fehlt es nicht, ebensowenig an detaillierten Überblicksplänen und Querschnitten.


Kurzum: Architektur im Zoo ist ein gleichermaßen informatives wie unterhaltsam gestaltetes Liebhaberstück für einen bisher kaum beleuchteten Sektor der Kultur- und Freizeitarchitektur. Seinen stolzen Preis von fast 100 Euro ist es allemal wert.


Monika Leykam, Immobilien Zeitung 13, 30. März 2017. Seite 16

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