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|BücherArchitektur und Städtebau

Historisch versus modern

Identität durch Imitat?

Historisch versus modern

Fachbuch

Autoren: Philine Schneider, Max Mütsch, Johannes Blechschmidt

Verlag: Jovis Verlag GmbH

29,95 € inkl. MwSt. *

lieferbar innerhalb ca. 2-4 Werktagen
1. Auflage, 2018, 219 Seiten, Paperback

Inhalt

Weltweit werden neue Stadtquartiere mit Rückgriff auf historische Typologien und Formensprachen realisiert. In den Innenstädten ersetzen zunehmend Neubauten im historisierenden Stil gewachsene Bausubstanz, um längst verlorene historische Ensembles oder gewünschte Bilder zurückzuholen. Die Phänomene der Retro-Quartiere sind komplex und in ihren Motivationen und Akteurskonstellationen, aber auch in ihren Ausdrucksformen unterschiedlich: Neben der Rekonstruktion verloren gegangener Gebäude werden historische Strukturen einfach kopiert und in einen gänzlich neuen räumlichen und soziokulturellen Zusammenhang gestellt. Diese Publikation untersucht das Phänomen des historisierenden Städtebaus anhand von 14 internationalen Fallbeispielen, darunter das Dom-Römer-Areal in Frankfurt, die Altstadt Elbing in Polen, Hallstatt in China, Poundbury in England oder die Old Town in Dubai. Es werden Entwicklungsgeschichte und Status quo der Projekte ebenso vorgestellt wie gesellschaftspolitische Hintergründe und die Debatten widerstreitender Interessen der Beteiligten. Namhafte Experten definieren grundlegende Fachbegriffe in einem Glossarteil, der das mit zahlreichen Plandarstellungen und Abbildungen ausgestattete Buch ergänzt.

Rezension

Über die Rekonstruktion in der Architektur

Am 28. September 2018 erhält Frankfurt am Main offiziell seinen heiligen Bezirk zurück, aber die Bauzäune sind auch heute schon entfernt und das Ergebnis kann besichtigt werden. Das Dom-Römer-Quartier besteht aus 35 Häusern, darunter 15 Rekonstruktionen von im Zweiten Weltkrieg zerstörten Häusern. Die übrigen Gebäude sind Neubauten mit historisch anmutenden Fassaden. Das 1974 an gleicher Stelle erbaute Technische Rathaus wurde für die neue Altstadt abgerissen. Barbara Engel, Professorin am Karlsruher Institut für Technologie, Fachgebiet Internationaler Städtebau, übt am Frankfurter Projekt in ihrem Buch „Historisch versus Modern. Identität durch Imitat?" vorsichtig Kritik. „Es stellt sich die Frage, ob der angestrebte Dialog zwischen Alt und Neu nicht auch den Erhalt des Technischen Rathauses hätte bedeuten können. Ein zeitgemäßer Umbau hätte hier vielleicht das Verständnis stärken können, dass Stadt ein multicodierter Träger mit vielfältigen historischen Spuren ist, die es zu berücksichtigen gilt."


Die Rekonstruktion zerstörter Gebäude und Stadtviertel ist keineswegs eine deutsche Erfindung. Im polnischen Gdansk, dem ehemaligen Danzig, begann die Rekonstruktion der Altstadt bereits unmittelbar nach Ende des Krieges 1945. Später wurde in Polen das Prinzip der Retroversion entwickelt. Darunter versteht man historisch informierte Neubauten, d.h. Gebäude, die sich in Stil und Proportion an die verschwundene Vorgängerbebauung anlehnen. Im Geiste der Retroversion entsteht z.B. die Altstadt des polnischen Elblag (früher Elbing in Ostpreußen) seit den 1990er Jahren Schritt für Schritt neu. Auch dieses Projekt wird in Engels Buch vorgestellt. Dazu zwölf weitere Fallbeispiele für Rekonstruktionen oder Neuentwicklungen im historischen Stil – darunter in Poundbury, Istanbul, Skopje, Rio de Janeiro, Dubai und Irkutsk.


Engels Buch ist keine Streit-, sondern eine Informationsschrift. Die Autorin deutet eigene Positionen nur an. „Es soll nicht die Frage beantwortet werden, ob es richtig oder falsch, harmlos oder gefährlich, angemessen oder unangebracht ist, historisierend zu bauen. Vielmehr geht es um eine differenzierte Betrachtung der Sachlage, die Dokumentation der Phänomene in ihrem Entstehungsprozess und mit ihren Hintergründen", heißt es. Diesen Anspruch erfüllt das Buch.


Christoph von Schwanenflug, Immobilien Zeitung

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