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|BücherArchitektur und Städtebau

Wohnkomplex

Warum wir andere Häuser brauchen

Wohnkomplex

Fachbuch

Autor: Niklas Maak

Verlag: Hanser

21,90 € inkl. MwSt. *

lieferbar innerhalb ca. 2-4 Werktagen
320 Seiten, gebunden

Inhalt

Warum versprechen sich viele Menschen vom Einfamilienhaus ein besseres Leben? Sie verlassen die Städte und ziehen ins Umland, wo sich ein trostloser Siedlungsbrei in die Landschaft ergießt. Häuser für Kleinfamilien, wie wir sie heute kennen, werden wir uns in Zukunft ökonomisch und ökologisch ohnehin nicht mehr leisten können. Wie aber sollen unsere Häuser in Zukunft aussehen? Was verraten sie über unser Leben? Könnte man sie sich ganz anders vorstellen? Dieses Buch, witzig, streitbar und bestens recherchiert, zeigt, dass das Bauen in Deutschland neu gedacht werden muss. Und wie man andernorts in Europa, Japan und Amerika bereits wohnt - jenseits von Vorstadteinöde und Apartmentriegel.

Rezension

Warum wir andere Häuser brauchen

So ziemlich jeder aus den Kreisen des Wohnungsbaubetriebs bekommt im Buch „Wohnkomplex – Warum wir andere Häuser brauchen" von Niklas Maak sein Fett weg. Zunächst die Stadtplaner, die nach Meinung von Maak in den Städten nur noch „die Idee der Gefahrenabwehr" umsetzen: „Der Autoverkehr ist minimiert, die Leerstellen mit Stadtmobiliar verstellt, alles ist verkehrsberuhigt und shoppingbummeloptimiert." Eine Stadt sei „kein Versprechen mehr", sondern eine „Sicherheitszone", ärgert sich Maak.
In diesem Sinne agierten dann auch die Architekten, Designer, PR-Strategen und Entwickler des neuen Wohnens in den Metropolen. Sie behaupteten, insbesondere in Berlin, mit ihren Eigentumswohnungsbauten die Rückkehr zur bürgerlichen Kultur in das vom Sozialismus verwüstete Zentrum zu erreichen, schüfen aber lediglich eine „antiurbane Planwirtschaftsmisere". Der Autor registriert viele weiße Fassaden, die wirkten, als habe der Architekt noch schnell sahnecremeartigen Gips um die Tortenböden-Etagen geschmiert.
Das geschehe deutschlandweit in den oftmals als Gärten schön geredeten Wohnanlagen: in München (Lenbach-Gärten), Düsseldorf (Heinrich-Heine-Gärten) oder Hamburg (Sophiengärten) gleichermaßen. Garniert wird dieses Wohnen mit rund geschnittenen Buchsbäumen, Sprossenfenstern und dem Versprechen an die künftigen Eigentümer, Teilnehmer am glamourösen großstädtischen Bohèmebetrieb etwa als Gönner zu werden. Dies alles natürlich geborgen hinter schmiedeeisernen Sicherheitstoren. Der Autor spricht nicht von Gentrifikation, sondern von „Zombifikation". Es wird als seelenlose Fiktion nachgebaut, was soeben verdrängt worden ist. Nämlich das urbane Leben mit seinen Subkulturen.
Auch neue urbane Einzelhandelskonzepte werden im Buch ähnlich auseinandergenommen.
Je synthetischer die Stadt werde, desto stärker scheine in den neuen Milieus der Großstädte offenbar die Sehnsucht nach Ländlich-Authentischem zu wachsen, spottet Maak. So entstünden Geschäftsstraßen, die wie ein „Reservat des untergegangenen Kleinstadtlebens" wirkten. Da treffe man auf eine Fülle von Cafés und Läden mit schweren Tischen aus grobem Holz, das Tagesmenu, das ökologisch-knorrige Namen trägt (Rucola heißt Rauke), wird mit Kreide auf Schiefertafeln geschrieben, die Bedienungen tragen grobe Leinenhemden. Das homogene Mittelschichtsmilieu, das sich in Karohemden in diesen ruralisierten Vierteln bewege, erinnert den Autor an den Hof Ludwigs XVI, als der Adel im Schlossgarten von Versailles das ideale Landleben spielte.


Auch die Vorstädte kommen im Buch nicht besser weg. Der Autor sieht nichts als „ästhetische Verödung". Krüppelwalmdach- oder Spitzdach-Schachteln würden vom Massivhausanbieter in Serie auf die grüne Wiese geknallt. Individuelle Architektur gehe in diesem Meer der Gleichmacherei unter.
In der Büroarchitektur setzt sich nach Ansicht des Autors die Flucht in künstliche Welten fort. Das Hochhaus in der Mitte der Stadt als Symbol von Größe und Macht eines Konzerns sei entthront worden von gewaltigen Flachbauten auf 200.000 qm großen Geländen irgendwo in Kalifornien, die als eigene Kleinstädte funktionierten. Apple und Facebook, die „Bewusstseinskonzerne", signalisierten mit ihren bewusst formlosen, bunten Arbeitslandschaften heitere Kindergartenatmosphäre. „Die wollen doch nur spielen."
Nun, in Europa wird sich das angesichts Flächenmangels wohl nicht durchsetzen.
Aber was sich denn nun der Autor genau wünscht, der die Krise der Architektur beklagt, das Einfamilienhaus als überkommenes bürgerliches Epizentrum geißelt und uns von postfamiliärem Wohnen in Japan berichtet, ist nur schwer zu erfassen.


Maak schwebt eine Planung und Architektur vor, die er als „informelle Stadt" bezeichnet. Dem Standardisierungsdruck der Bauindustrie, die Milliarden mit öden Wohnriegeln und pseudoindividuellen Billighäuschen verdiene, müsse man mit einem neuen Denken entkommen. Es gelte für die Zukunft, „Systeme zur Behausung zu entwickeln, die eher offene, flexible, leicht umzubauende Rahmen sind als statische Objekte".


Planer, Architekten, Entwickler und andere, die mit dem Wohnungsbau befasst sind, können sich bei der Lektüre des Buches mal eine Runde ärgern, mit Recht kritisieren, dass von Marktbedingungen und Finanzierung kein Wort erwähnt wird und sich die ein oder andere vernichtende Anmerkung des Autors zum Thema Wohndesign doch mal abspeichern.


Jutta Ochs, Immobilien Zeitung 17, 27. April 2017

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