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|BücherArchitektur und Städtebau

Unvollendete Metropole

Unvollendete Metropole

Fachbuch

Herausgeber: Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg

Verlag: DOM Publishers

48,00 € inkl. MwSt. *

lieferbar innerhalb ca. 2-4 Werktagen
1. Auflage, 2020, 752 Seiten, Paperback

Inhalt

Berlin, wie wir es heute kennen, wird im Jahr 2020 hundert Jahre alt. Am 1. Oktober 1920 wird die »neue Stadtgemeinde Berlin«, auch Groß-Berlin genannt, geschaffen. Ein Jahrhundertereignis: Aus Spree-Athen wird eine Weltstadt. Über Nacht vergrößert sich die Stadtfläche von 66 auf 878 Quadratkilometer und die Bevölkerung von 1,9 auf knapp 3,9 Millionen Einwohner. Das alte Berlin wird mit sieben Städten, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken vereinigt. Groß-Berlin ist aber nicht nur ein historisches Ereignis: Nach dem Fall der Mauer werden weitreichende Entscheidungen getroffen, die den Großraum neu strukturieren, und inzwischen hat das Wachstum der Stadt längst die Grenzen Berlins überschritten.


Die zwei Bände von Unvollendete Metropole widmen sich der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Groß-Berlins. Sie fragen nach den großen städtebaulichen Herausforderungen: Wie kann die stark wachsende Metropole in eine nachhaltige Zukunft geführt werden? Damit wollen die Herausgeber einer breiten gesellschaftlichen Debatte über die Zukunft der Region Schwung geben und Vorschläge von zivilgesellschaftlicher und fachlicher Seite zur Diskussion stellen. Der erste Band beleuchtet die städtebaulichen Leistungen Berlins seit über 100 Jahren und die aktuellen Potenziale der Metropolregion Berlin-Brandenburg. Er behandelt Themen wie das Verhältnis zu Brandenburg, die Rolle Berlins als Hauptstadt Deutschlands ebenso wie die Schlüsselthemen der Stadtplanung, wie etwa Wohnen, Verkehr, Freizeit und Erholung. Im Mittelpunkt des zweiten Bandes stehen Entwürfe für die Zukunft; er ist eine umfassende Dokumentation des »Internationalen Städtebaulichen Ideenwettbewerbs Berlin-Brandenburg 2070« des Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlin-Brandenburg e.V. Außerdem zeigt er, wie andere europäische Hauptstadtregionen – London, Moskau, Paris, Wien – um eine nachhaltige Gestaltung ihres stürmischen Wachstums ringen.


Die Publikation erscheint anlässlich der gleichnamigen Ausstellung, die vom 1. Oktober bis 3. Januar 2021 im Kronprinzenpalais, Berlin stattfindet. Sie wird vom Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg e.V. (AIV) mit Unterstützung von Partnern veranstaltet.

Rezension

Berlin blickt zurück und weit voraus ins Jahr 2070

100 Jahre sind ein guter Grund zu feiern. An die Geburtsstunde von Groß-Berlin erinnert der lokale Architekten- und Ingenieurverein mit einer Ausstellung samt üppigem Katalog mit dem Titel „Unvollendete Metropole". In jenem fernen Jahr 1920 wurde die damals kleine Hauptstadt mit sieben umliegenden Städten – wie dem reichen Charlottenburg mit Gedächtniskirche und Ku'damm – und fast 60 Dörfern verschmolzen, womit die Einwohnerzahl auf fast vier Millionen explodierte. Diese Fusion war lange überfällig, blockierte bis dato doch eine vielfältige und widersprüchliche Kirchturmpolitik der einzelnen Gemeinden eine sinnvolle Planung der zusammenwachsenden Metropole.
So erfolgreich dieser Gewaltakt auch war, 100 Jahre später ist das Ergebnis nicht mehr auf der Höhe der Zeit, konstatieren die Ausstellungsmacher. Dieses Diktum wird u.a. am Verkehr durchexerziert, der aus der Spur geraten sei, oder am mangelnden Wohnraum. Interessant dabei, dass die neuen Bewohner der heute so hochgelobten kommunalen Wohnungen der 1920er Jahre oder der großflächigen Sozialsiedlungen der 1960er und 70er Jahre massiv höhere Mieten zahlen mussten als in ihren alten Bleiben, ohne dass dies zu politischen Grabenkämpfen um eine Mietpreisbremse führte. Daneben erzählen Ausstellung und Begleitbuch in vielfältiger Weise Stadt- und Regionalgeschichte, von weitsichtiger Bodenvorratspolitik und kurzsichtiger Kahlschlagsanierung, beleuchten einzelne Stadtzentren, Industrieflächen und große kommunale Infrastrukturprojekte aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Außen vor bleibt bedauerlicherweise der Geburtsfehler des heutigen Berlins: das komplizierte Zusammenspiel, oder zutreffender Gegeneinander von übergeordneter Stadtregierung und bezirklicher Verwaltung, das inzwischen als organisierte Verantwortungslosigkeit charakterisiert wird.
Wie Bevölkerungswachstum andernorts bewältigt wird, berichten die Autoren aus Wien, Paris, London und Moskau – mit vielen bunten Bildern, nichts erklärend und bar jeglicher kritischer Distanz. In Berlin erinnerte sich der Architektenverein angesichts der wachsenden Probleme, etwa durch den Wegzug ins nahe Umland und damit rapide zunehmender Verkehrsbelastung, an den ersten und wegweisenden Wettbewerb zur Zukunft der Hauptstadt aus dem Jahr 1910 und lobte seinerseits einen internationalen städtebaulichen Ideenwettbewerb aus zur gezielten und nachhaltigen Entwicklung Berlins und Brandenburgs bis zum Jahr 2070. Auch diese Vorschläge und Preisträger finden sich in dem gut 700 Seiten starken Katalog.


Gerda Gericke, Immobilien Zeitung 45, 5. November 2020, Seite 10

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