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|BücherArchitektur und Städtebau, Handelsimmobilien

Die Europäische Stadt nach Corona

Strategien für resiliente Städte und Immobilien

Die Europäische Stadt nach Corona

Fachbuch

Herausgeber: Tobias Just, Franziska Plößl

Verlag: Springer Verlag

32,99 € inkl. MwSt. *

lieferbar innerhalb ca. 2 Wochen
11. Auflage, 2021, 316 Seiten, Paperback

Inhalt

Europäische Städte sind von der Corona-Pandemie 2020 stark betroffen. Nutzungskonzepte werden in Frage, gewohnte Lebensweisen auf die Probe gestellt. Dieses Buch entwickelt Anpassungsstrategien für Akteure in Städten: für Stadtentwickler, für Investoren, Finanzinstitutionen und entwirft Szenarien wie sich das Leben in europäischen Städten post-Corona verändern könnte und was eine widerstandsfähige Stadt auszeichnet.

Rezension

„Das Recht auf Stadt muss absolut sein"

Zwei Sammelbände mit fast identischem Titel: „Die Stadt nach Corona", herausgegeben von der Verlegerin Doris Kleilein (Jovis Verlag) und der Journalistin Friederike Meyer (Baunetz.de), betrachtet das Thema durch die Brille von Architektur und Planung. „Die Europäische Stadt nach Corona" kommt von der Ökonomie. Herausgeber sind Tobias Just und Franziska Plößl (beide Irebs Immobilienakademie, Universität Regensburg).
Ein interessantes Licht auf die Pandemie-Bekämpfung in China wirft der Beitrag der Immobilien-Ökonomin Bing Wang und des Architekturkritikers Rong Zhou im Aufsatzband von Just/Plößl. Ihre These: Der Aufbau chinesischer Städte half, das Coronavirus schnell in den Griff zu kriegen. Den Autoren zufolge gab es bis zum Ausbruch der Pandemie eine heftige Diskussion darüber, ob die nach außen abgeriegelten Wohnsiedlungen in Großstädten als Ausdruck sozialer Distanz nicht abzulehnen seien. Die Regierung wollte, dass Zäune und Mauern abgerissen werden, die Bewohner sperrten sich. In der Pandemie hätte sich dann gerade das Wohnen hinter Zäunen als hilfreich erwiesen. „Die übliche Ausweiskontrolle wurde um die Überprüfung der Körpertemperatur erweitert."
Bewährt habe sich auch das Prinzip der Mischnutzung. Ähnlich wie im sozialistischen Städtebau gilt oder galt in China bis zur Automobilisierung der Massen, dass Wohngebiete nie ohne eine komplette fußläufig erreichbare Infrastruktur aus Geschäften, Schulen etc. gebaut werden. Weil dies so ist, „konnten verschiedene Lebensbedürfnisse und Funktionen leicht in einem Umkreis von 15 bis 20 Minuten erfüllt werden, wodurch die Bevölkerungsströme lokalisiert und die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden konnte". Weitere Beiträge bei Just/Plößl beschäftigen sich mit den Auswirkungen der Coronakrise auf einzelne Assetklassen (u.a. Hotel, Handel, Büro) und Implikationen für die Stadtentwicklung. Hier kommen auch einige bekannte „Immobilienprofis" zu Wort wie Mathias Leidgeb vom Logistikinvestor Palmira oder Sascha Klaus von der Berlin Hyp.
Andere, nicht weniger interessante Akzente setzen Kleilein/Meyer. Stefan Rettich, Städtebau-Professor der Universität Kassel, schreibt über „urbane Obsoleszenzen". Darunter versteht er städtische Flächen, die durch gesellschaftlichen oder technologischen Wandel in ihrer Bedeutung ausgehöhlt werden und darum brachfallen (Güterbahnhöfe, Kirchen, Warenhäuser usw.). Hier sieht Rettich große Potenziale. Beispiel Friedhöfe. Durch den Trend zur Urnenbestattung sind diese oft zu groß. Hamburg habe darum 270 ha von 400 ha des größten Parkfriedhofs der Welt in Ohlsdorf für eine „Parknutzung" freigegeben.
Den Schlusspunkt setzt Tatjana Schneider, Professorin für Architekturtheorie an der TU Braunschweig, mit einem Essay über die „gerechte Stadt". Ihre These: „Viele der großmaßstäblichen Visionen der letzten Dekaden sind von den Vorstellungen, den Macht- und Kapitalexzessen der Wenigen ersehnt und umgesetzt worden." Öffentliche Räume seien zugunsten von „Bezahlräumen" zurückgedrängt worden. Damit müsse Schluss sein. „Stadt muss so geplant werden, dass nicht nur Glück, günstige Umstände oder finanzielle Mittel entscheiden. Das Recht auf Stadt muss absolut sein."


Christoph von Schwanenflug, Immobilien Zeitung 46, 18. November 2021, Seite 12

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