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|BücherArchitektur und Städtebau

Architektur für die russische Raumfahrt

Vom Konstruktivismus zur Kosmonautik: Pläne, Projekte und Baute

Architektur für die russische Raumfahrt

Bildband

Herausgeber: Philipp Meuser

Verlag: DOM Publishers

78,00 € inkl. MwSt. *

lieferbar innerhalb ca. 2-4 Werktagen
1. Auflage, 2013, 412 Seiten, gebunden

Inhalt

In der Sowjetunion genossen die Raumfahrt und die mit ihr verbundene Raketentechnik oberste Priorität. Denn mit dem Start des ersten künstlichen Erdsatelliten Sputnik im Jahr 1957 und mehr noch mit dem ersten bemannten Raumflug durch Juri Gagarin vier Jahre später erreichte der Kalte Krieg eine neue Stufe: Es begann ein Wettstreit beider politischer Systeme um die Vorherrschaft im Weltraum, galt doch die Raumfahrt als Maßstab für gesellschaftliche Leistungsfähigkeit und Fortschrittlichkeit.
Doch neben den militärischen und politischen Aspekten stand auch der bis in die Antike zuru¿ckreichende Traum der Menschheit von der Überwindung der räumlichen Grenzen, der Eroberung des Himmels. Diese Sehnsucht schien nun Wirklichkeit zu werden. Die beispiellose Weltraumbegeisterung der kosmischen Ära zeigt sich auch im futuristischen Formenvokabular der sowjetischen Baukunst, in den Utopien der sogenannten Papierarchitekten - und in den Bauten für die sowjetische Raumfahrt in Baikonur, Kaluga oder den geschlossenen Städten bei Moskau. Die Autoren haben einst als geheim eingestufte Materialien zur Raumfahrtarchitektur recherchiert, darunter den Plan der ersten jemals konzipierten Weltraumstadt, sowie erstmals autorisierte Zeitzeugenberichte gesammelt: Zu Wort kommen nicht nur Akteure der sowjetischen Raumfahrt, sondern auch Architekten wie etwa Viktor Asse, der Planer des bis zum Zerfall der Sowjetunion geheimen Sternenstädtchens, und Galina Balaschowa, die Innenarchitektin sowjetischer Raumkapseln.

Rezension

Mondbauten auf der Erde

Amerika und Russland lieferten sich während des kalten Kriegs einen Wettlauf zum Mond. Das Kräftemessen im All hinterließ aber auch Spuren auf Erden, denn die neue Technik brauchte würdige Bauten. Der Staatsauftrag spiegelte sich in ausgefallenen Entwürfen, die teilweise an Raumkapseln erinnern, und edlen Materialien wider. Der üppige Bildband „Architektur für die russische Raumfahrt. Vom Konstruktivismus zur Kosmonautik" nimmt den Leser auf einen Streifzug durch das russische Raumfahrtdesign mit. Herausgeber Philipp Meuser hat sich in der Vergangenheit schon mehrfach der Architektur ehemaliger Ostblockstaaten angenommen. Für den mehr als 400 Seiten umfassenden aktuellen Band haben der Historiker und Journalist Ansgar Oswald und Maryna Demydovets viele bislang unveröffentlichte Fotos und Dokumente zusammengetragen und mit Zeitzeugenberichten ergänzt. Obwohl der Bildband sehr viele oftmals zweiseitige Fotos der ausgefallenen Bauten zeigt, geht der Text doch weit über rein architektonische Betrachtungen hinaus. Ein Abschnitt widmet sich der Plakatkunst, der Philatelie und den verschiedenen Rangabzeichen der Kosmonauten. Der Leser lernt die verschiedenen Fixsterne der russischen Raumfahrt kennen: wo die Raumanzüge geschneidert werden, wo sich Juri Gagarin auf seinen Flug ins All vorbereitete und wie das Raumfahrtkontrollzentrum Koroljow aussieht. Neben anderen Protagonisten der Vergangenheit werden der russische Konstruktivist Georgi Krutikow, der eine „fliegende Stadt" entwarf, und Galina Balaschowa vorgestellt. Die Architektin hatte einst die Innenausstattung für ein bemanntes Raumschiff entworfen. Die vielen Gebäudefotos zeigen dem Leser eine lang verschlossene und unbekannte Welt. Doch die große Stärke des Buchs liegt in den Zeitzeugenberichten. Denn sie lassen den Betrachter hinter die Kulissen blicken und offenbaren dabei allzu menschliche Verhaltensweisen in diesem Technikwettkampf. Wie z.B. zunächst für den Prototyp des bemannten Raumschiffs der damals beste erhältliche Stoff, ein Gemisch aus Wolle und Seide, ausgewählt wurde, genau der Stoff, aus dem Nikita Chruschtschows Jagdausrüstung hergestellt worden war. Doch im Laufe des Planungsprozesses mussten die luxuriösen Bezüge dann einer feuerfesten Variante weichen. Interessant auch die Anekdote, wie die US-Amerikaner das Kontrollzentrum in Augenschein nahmen und darum baten, auch einmal hinter die Verkleidung schauen zu dürfen. Von der russischen Technik überzeugt, wurde das Sojus-Apollo-Test-Projekt denn auch im russischen Kontrollzentrum koordiniert. Wer als Jugendlicher schon den Wettlauf der Weltmächte zum Mond in Was-ist-Was-Büchern oder in Film und Fernsehen verfolgt hat, dürfte das vor allem aus US-amerikanischer Perspektive getan haben („Houston, wir haben ein Problem!"). Mit dem Bildband wird der eigene Blickwinkel deutlich erweitert und ganz nebenbei so manche technische Großtat um den Faktor Mensch ergänzt – eine Lesereise in ein analoges Zeitalter.


(Sonja Smalian)


Immobilien Zeitung 3, 23. Januar 2014, Seite 12

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